• Die Villa Haar wurde 1885 vom Architekten Otto Münkert nach dem Vorbild der Villa d ́Este in Tivoli bei Rom im Neorenaissancestil entworfen und für den Rechtsanwalt Werner Voigt 1886 erbaut
  • Das Gebäude befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des Heygendorfschen Gartens, seinerzeit in Besitz der Schauspielerin und Mätresse des Her- zogs Carl August, Caroline Jagemann, später Frau von Heygendorf (1777 – 1848)
  • 1905 wurde die Villa von Kommerzienrat Otto Haar erworben, der das Kaufhaus „Max Haar“ in der heu- tigen Schillerstraße 5a führte; von ihm wurde das Haus teilweise umgebaut – er ließ an der repräsentativen Villa außerdem einen Wintergarten anbauen und eine Warmwasser-Heizungsanlage installieren
  • 1936 bezog der Sohn Dr. Georg Haar mit seiner Frau Felicitas, geb. von Holtum, die Villa Haar
  • Am 22. Juli 1945 schieden der Weimarer Kaufmann und Kunstliebhaber Dr. Georg Haar und seine Frau freiwillig aus dem Leben und hinterließen ihr gesamtes Vermögen der Stadt Weimar, verbunden mit der Auflage, dass ihr Wohnhaus als ein Kinderheim für Kriegswaisen dienen sollte. (testamentarisch festgelegt)
  • Die Villa wurde zu einem Kinderheim umfunktioniert, im Oktober 1945 zogen die ersten Kinder in das Waisenhaus „Villa Haar“ ein; die Einnahmen aus den Geschäften der Familie Haar dienten zur Erhaltung des Heimes und dem Wohle der darin lebenden Kinder; die erste Leitung übernahm Frau Elisabeth Noack
  • Durch den Beschluß der Städteverordnetenversammlung wurde 1947 eine Stiftung des bürgerlichen Rechtes zur Verwaltung des Vermögens und Umsetzung des Stifterwillens gegründet
  • Ab dem 01. März 1949 wird Frau Charlotte Mewes Leiterin des Kinderheimes; es beherbergt in den kommenden Jahren zeitweise bis zu 50 Kinder
  • 1952 wurde die privatrechtliche Stiftung Dr. Georg Haar durch die DDR-Behörden aufgelöst, das Stiftungsvermögen wurde verstaatlicht, zum sogenannten Volkseigentum, das Kinderheim „Villa Haar“ wird um- benannt in „Rosa Thälmann“
  • 1969 löst Herr Helmut Glorius die bisherige Leiterin Charlotte Mewes ab
  • 1989 übernahm Rüdiger Ahrens die Leitung und im Mai 1990 fand die Umbenennung des Kinderheims „Rosa Thälmann“ in „Kinderheimstätte Villa Haar“ statt
  • Durch Beschluß des Weimarer Stadtrates im März 1991 und das Engagement einzelner Bürger wurde die Stiftung Dr. Georg Haar mit der vormaligen Zweckbestimmung wieder neu errichtet und das noch vorhandene Stiftungsvermögen rückübertragen
  • Die Stadtverordneten Weimars bestätigen die wiederaufgenommene Satzung; die Stiftung Dr. Georg Haar ist eine Stiftung des bürgerlichen Rechts und wird vertre- ten durch einen dreiköpfigen ehrenamtlichen Vor stand, in deren Vorsitz zu Beginn Frau Gudrun Kaus berufen wurde – gewählt durch den vom Stadtrat eingesetzten neunköpfigen Stiftungsrat
  • 1992 beginnen die ersten Umbauten in der Villa Haar: Zimmer werden renoviert, Sanitäranlagen erneuert – doch es zeigt sich schnell, dass sie nicht mehr den Richtlinien einer modernen und zeitgemäßen Einrichtung zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen entsprach. Demzufolge begann die Stiftung, ihre Heimeinrichtungen als Kinder- und Jugendwohngruppen dezentral und familienorientiert auf verschiedene Standorte in der Stadt Weimar zu verteilen
  • Im Februar 1994 erfolgt der erste Spatenstich zum Bau der ersten Kinder- und Jugendwohngruppe „Villa Felicitas“ und bereits im Oktober wurde das Haus oberhalb der alten Villa eingeweiht. Zehn Kinder ziehen ein und jedes hat nun ein eigenes Zimmer
  • Seit der Fertigstellung der „Villa Felicitas“ und dem Umzug der Jugendlichen in die „Villa Max“ in der Bertuchstr. 53, kommen fast jährlich neue Einrichtungen dazu und die Stiftung breitet in den folgenden Jahren ihren Wirkungskreis immer mehr in das Umland von Weimar aus
  • 1996 tritt Richard Spätling die Stiftungsleitung an und seit 1999 übernimmt Joachim Faßnacht die Gesamtleitung der Stiftung
  • 2001/02 wurde die Villa Haar umfassend saniert und wird seit dem als ein modernes Veranstaltungs- und Tagungszentrum betrieben; seit 2005 ist die Villa Haar verpachtet an „montag catering + service“
  • Heute nutzt die Stiftung die Villa Haar und das Gelände nur noch zu besonderen Anlässen wie beispielsweise Mitarbeiterveranstaltungen, Gremiensitzungen, Weiterbildungen und Empfänge.
  • Aber auch die jährliche Weihnachtsfeier mit allen Stiftungskindern und das Familienfest im Sommer sind seit vielen Jahren ein traditioneller Anlass, der die Räumlichkeiten der Villa und den weitläufigen Park mit Kinderstimmen füllt

Struktur & Einrichtungen der Stiftung Dr. Georg Haar heute:

Die operative Tätigkeit der Stiftung als anerkannter Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe vollzieht sich heute an ca. 20 Standorten. Der Arbeits- und Wirkungskreis erstreckt sich über Weimar, Jena, Erfurt und das Weimarer Land. Schwerpunkt ist die stationäre Erziehungshilfe mit unterschiedlichen Konzeptansätzen in der Heimerziehung. In diesen Einrichtungen werden derzeit ca. 80 junge Menschen – und darüber hinaus die Säuglinge und Kleinkinder der Mütter und Väter – betreut. Daneben ist die Stiftung mit einem Schulprojekt, sowie präventiven Angeboten der offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig. Die Stiftung beschäftigt derzeit etwa 100 Mitarbeite- rinnen und Mitarbeiter, überwiegend pädagogische Fachkräfte. Verwaltet wird sie in der Geschäftsstelle
„Kutscherhaus“ – dem Stammsitz der Stiftung in Weimar.

Die Stiftung engagiert sich in der Ausbildung junger Fachkräfte und ist Praxispartner der Thüringer Hochschulen, insbesondere der dualen Hochschule in Gera. Zurzeit sind fünf Ausbildungsplätze mit jungen Studenten in der Stiftung besetzt – in den vergangenen Jahren konnte ein großer Teil des zunehmenden Fachkräftebedarfs durch die Absolventen gedeckt werden. Die Stiftungseinrichtungen werden seit vielen Jahren außerdem von ehrenamtlichen Helfern, Praktikanten und FSJ-lern unterstützt.

Die Einrichtungen mit ihren unterschiedlichen Profilen werden jeweils von einem Team und einer Teamleitung organisiert und verantwortet. Im Einzelnen ist die Stiftung Dr. Georg Haar Träger folgender Einrichtungen, Dienste und Projekte:

Das stationäre Leistungsangbot umfasst:

  • Kinder- und Jugendwohngruppen mit differenzierten fachlich-pädagogischen Schwerpunkten
  • Familienwohngruppen
  • sozial-therapeutische Wohnprojekte für junge Menschen mit Essstörungen
  • Wohngruppen für junge Mütter und Väter mit Kind
  • Krisenhilfe und Notschlafstelle

In Kooperation mit anderen Trägern verwirklicht die Stiftung folgende Angebote:

  • Intensive Unterstützung im Schulprojekt „Kompass“ für Kinder im Grundschulalter
  • Individuelle Schulbegleitung im Einzelfall
  • Projekte der Offenen Jugendclub- und Jugendsozialar- beit, ein Sportprojekt, Streetwork sowie Betreuung von Jugendzimmern der Weimarer Ortsteile durch das Team Jugendarbeit Weimar (TJW)
  • Inobhutnahmestelle für die Stadt Weimar durch die „AG Fallschirm gGmbH-Plan B“ mit der Möglichkeit zum „Trainingswohnen“